Die Deutschbalten und der Nationalsozialismus
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Im November 1939 schrieb der schon 1932 nach Berlin gezogene, aus Dorpat stammende Jurist und Politiker Werner Hasselblatt, dass Hitler den Deutschbalten eine neue Heimat schenke und neue Aufgaben stelle. Wenige Monate später betonte der Ex-Chefredakteur der Rigaschen Rundschau Paul Schiemann, der die Umsiedlung verweigert hatte, dass die Aufgabe, nämlich die Verdrängung der polnischen Bevölkerung, allen Idealen widerspreche, für die die Deutschbalten gekämpft hätten. Mit der für viele Umgesiedelte, zurückhaltend ausgedrückt, unangenehmen Frage, wie es die Deutschbalten mit dem Nationalsozialismus hielten, beschäftigt sich Andreas Hansen in der

neuen Ausgabe der „Mitteilungen aus baltischem Leben (4/2024 – 1/2025). Akribisch hat der Vorsitzende der Deutsch-Baltischen Gesellschaft Aufsätze, Schriften, Stellungnahmen, Bücher, Statistiken ausgewertet. „Eine Denkschrift“ nennt Hansen seine Arbeit, in der vieles erörtert und veröffentlicht wird, womit sich selbst ein Großteil der Betroffenen nicht beschäftigt haben oder was ihnen unbekannt sein dürfte: von der Tatsache, dass die Umsiedlung kein unausweichliches Schicksal war über die anfängliche Zurückhaltung der NSDAP im Warthegau gegenüber den Deutschbalten bis zur Denkschrift von Werner Hasselblatt, die, verkürzt gesagt, schlussfolgert, dass die Weltanschauung des Nationalsozialismus den Deutschbalten fremd war und blieb und sie daher bei der Entnazifizierung, bis auf wenige Ausnahmen, unschuldig gesprochen werden müssten. Die Denkschrift von Andreas Hansen hingegen verzichtet auf moralische Analysen, macht vielmehr durch eine Vielzahl von Quellenangeben deutlich, dass zu diesem Thema noch viel Forschungsarbeit geleistet werden sollte. – Weitere Themen: Universität Tartu erforscht Schicksal der Deutschbalten nach dem Zweiten Weltkrieg; Göttlich, vornehm, volksnah – der Sprachgebrauch im Baltikum; Nachruf auf Jürgen von Ungern-Sternberg.




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