Deutsch-Baltische Gesellschaft in Hessen und Thüringen - Veranstaltungen
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Zu gleich zwei Veranstaltungen im April waren die Mitglieder der Deutsch-Baltischen Gesellschaft in Hessen und Thüringen eingeladen worden.
Am Samstag, den 18. April 2026 hatte die Lettische Gesellschaft in Frankfurt am Main zu einem Konzert mit dem Titel „Echos of Latvia“ der beiden lettischen Musikerinnen Laura Zariņa und Agnese Egliņa eingeladen.
Es begann mit der Frage, warum die Musik lettischer Frauen über Jahrzehnte fast unbemerkt geblieben ist. Dazu berichtete die Geigerin Laura Zariņa in ihrer Einführung über die Entstehung des Programms „Echos of Latvia“ mit ausschließlich Werken lettischer Komponistinnen. Es ist eine Mischung der innigen, lyrischen Klangwelten einer Lūcija Garūta, der bedeutendsten lettischen Komponistin des 20. Jahrhunderts mit zeitgenössischen Stücken. Kurzen Werken – Miniaturen – in Verbindung mit lettischen Gedichten. So zum Beispiel die Komposition „Zwischen Meer und See“ von Selga Mence (*1953) als eine Vertonung des gleichnamigen Gedichtes von Olafs Gūtmanis. Oder das 2024 in Kryptogrammtechnik komponierte Werk „Die Wellen kommen und gehen“ von Renāta Stivriņa. In ihm sind der Name der Geigerin (Zariņa) und der Dichterin Zenta Mauriņa als Komposition verwebt. Zenta Mauriņas Gedicht „Bernsteinstücke“, das die Suche nach Bernstein (symbolisch für Weisheit) thematisiert, wurde vor dem Musikstück vorgetragen.
In der Ankündigung wurde das Konzert als „ein vielschichtiges Klangbild, das baltische Klarheit mit tiefem emotionalem Ausdruck verbindet und Tradition und Gegenwart in einen lebendigen Dialog setzt“ angekündigt.
Zum Konzerterlebnis trugen auch die Beleuchtung und der Duft blühender Zweige bei.
In ihrer Begrüßung dankte die Vorsitzende der Lettischen Gesellschaft in Frankfurt, Marite Klavina, den beiden Musikerinnen und auch der Stadt Frankfurt für die Ermöglichung des Konzertnachmittags. Anschließend hoben Magone Runka, Projektleiterin ‚Kultur‘ an der lettischen Botschaft in Berlin und Prof. Rüdiger von Rosen, Honorarkonsul der Republik Lettland in Hessen, das Besondere und Erstklassiges des Programms jenseits des Standard-Repertoires hervor.

Zuvor waren alle Gäste eingeladen, im Foyer des Konservatoriums bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Sekt ein Stück des lettischen Festkuchens Kliņģeris zu genießen.
Eine Hörprobe zu dem Konzert und der gleichnamigen CD findet sich auf der Webseite von Laura Zariņa: www.laurazarina.com/#media
Bereits in der darauffolgenden Woche hatte Deutsch-Baltische Gesellschaft in Hessen und Thüringen zu einem Kulturnachmittag ins Haus der Deutsch-Balten in Darmstadt eingeladen. Dort hatte am 24. April die ‚Darmstädter Initiative für Liepāja‘ anlässlich ihrer Mitgliederversammlung die stellvertretende lettische Botschafterin Elina Bohersa um einen Vortrag zur „Entwicklung Lettlands in den letzten vier Jahren“ gebeten.

Frau Bohersa ging eingangs auf die Geschichte des baltischen EU-Landes ein. Das geheime Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes (in Lettland Molotow-Ribbentrop-Pakt, nach den damaligen Außenministern genannt) beendete brutal die 1918 begonnene erste Selbständigkeit des Landes. Der Pakt ist immer noch Traumata in fast allen Familien. „Heute sind wir froh, Mitglied der EU und der NATO zu sein,“ betonte die stellvertretende Botschafterin. Sie spannte den Bogen zum brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine. „Wir stehen als Land einheitlich zur Ukraine.“ Auch berichtete sie von den frühzeitigen Warnungen Lettlands vor Putin und dass die Stärkung der eigenen Sicherheit momentan Priorität des Landes sei. ‚Sicherheit stärken’ bedeutet: Hilfe für die Ukraine (1% des Bruttoinlandsprodukts), Stärken der eigenen Sicherheit (Verteidigungsausgabe über 2% des Bruttoinlandsprodukts, 2027 5% angestrebt und verstärkte Drohnenproduktion), Kampf gegen Desinformation, Freiwilligen-Kurse als Reservisten für jedermann sowie internationale Kooperationen. Lettland ist für zwei Jahre Mitglied des UN-Sicherheitsrats, Rhein-Metall plant ein Werk in Lettland. Während die Wirtschaft moderat wächst (2°% Wachstum, 91°% der Dienstleistungen sind digitalisiert, Lettland steht in Europa an erster Stelle für Logistik und an vierter für erneuerbare Energien) ist die Demographie wegen sinkender Einwohnerzahlen nicht optimistisch. 65°% der Einwohner Lettlands sind Letten, 24°% Russen. Von letzteren sind ⅔ lettische Staatsbürger, gut integriert und pro europäisch. Die übrigen, sogenannt ‚Nicht-Bürger‘, wollen die lettische Staatsbürgerschaft nicht um von Vorteilen aus Russland zu profitieren. Neuerdings brauchen sie aber einen Aufenthaltstitel um in der EU um bleiben zu dürfen. Laut Frau Bohersa sprechen 90°% der russischen Minderheit lettisch. Ihren Vortrag beendete die stellvertretende Botschafterin mit guten Nachrichten: Russland hat sein Kriegsziel bisher nicht erreicht, Finnland und Schweden sind neue NATO-Mitglieder geworden, viele Letten melden sich als freiwillige Reservisten, die Wahlen in Ungarn hatten einen Machtwechsel zur Folge, bei der Eishockey-Weltmeisterschaft hat Lettland die Bronzemedaille errungen, der lettische Animationsfilm ‚Flow‘ hat 2025 einen Oscar gewonnen, Lettland ist zum ersten Mal Mitglied im UN Sicherheitsrates und Liepāja wird Europas Kulturhauptstadt 2027.

Die Vorsitzende der Liepāja-Initiative, Dagmar Metzger, freute sich mit ihrem Vorstand über den guten Besuch der Veranstaltung die gleichzeitig ein Vortreffen für eine Fahrt vom 30 Mitgliedern nach Liepāja im Sommer war. Andreas Hofmeister, Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, der örtlich zuständigen Landtagsabgeordneten Peter Franz und Violeta Sacaliuc vom Amt für Städtepartnerschaften und internationale Beziehungen der Stadt Darmstadt dankten in ihren Grußworten der ‚Darmstädter Initiative für Liepāja‘ und den Deutsch-Balten für ihre Arbeit und ihr Engagement.




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