Völker zu Seefahrern umerziehen

Dass Letten und Esten keine begeisterten Seefahrer waren, bedauert Christian Woldemar 1857 in einem Aufsatz, den die „Mitteilungen aus baltischem Leben“ in der neuesten Ausgabe 2/2020 dokumentieren. Dabei haben die Ordensritter doch 600 Jahre zuvor im Baltikum eingegriffen, um der Seeräuberei der Kuren und Esten ein Ende zu setzen. Der Autor, als Krisjanis Valdemars Mitbegründer der Jungletten-Bewegung, hat die Gründung mehrerer Navigationsschulen im Zarenreich initiiert. Ein Nachruf von 1891 betont: Was die lettische Handelsflotte jetzt ist, hat sie Waldemar zu verdanken. – Dass die Rigaer Polizei um 1870 die Velocipedisten vor „Beinbrüchen und Verrenkungen“ warnt, dass 1889 ein Fahrrad mehr als den Jahreslohn einer Köchin kostete und dass die erste Radrennbahn Lettlands 1896 in Goldingen eröffnet wurde, erfährt man aus dem Artikel über die Geschichte des Radsports im Baltikum von 1868 bis 1918. – Das deutsch-estnische Fotobuch „Vilmane Peatkk – das letzte Kapitel“ erzählt die Um- und Nachumsiedlung der Deutschbalten in Fotos; ein Sujet, das bisher vernachlässigt wurde. Weitere Artikel befassen sich mit Neuerscheinungen zu den Verbindungen von Lippstadt ins Baltikum, Herrenhäusern in Estland und dem Werk des Hörspielautors Fred von Hoerschelmann. Ausführlich behandelt werden auch die Vorträge beim letzten Genealogentag in Darmstadt. Die "Mitteilungen" können über die Geschäftsstelle der Deutsch-Baltischen Gesellschaft bezogen werden.

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