Preis für Wirtschafts-Analyse

Den Dietrich-A.-Loeber-Preis für Nichtgraduierte gewann Hans Baumann (Laichingen) mit einer Arbeit über das Verhältnis deutscher Kaufleute in Reval zur bäuerlichen estnischen

Die Gewinner des Dietrich-A.-Loeber-Preises: Marianne Saar (rechts oben), Ginta Perle-Sile, Hans Baumann (links unten) und der Vorsitzende der Deutsch-Baltischen Gesellschaft, Andreas Hansen. Foto: Michael Anger

Bevölkerung im 18. Jahrhundert. Dazu hatte er Nachlassverzeichnisse von 136 Kaufleuten analysiert und die darin enthaltenen Bauernschuldbücher. Dort wurde verzeichnet, was die Bauern vom Kaufmann bekommen hatten und wieviel sie zurückgeben mussten. Aus den Einträgen kann man schließen, dass die Kaufleute Pfändungen vermeiden wollten und etwa für gegebenen Roggen auch Hafer nahmen. Dieser sichere Warenfluss versiegte, als um 1750 eine wirtschaftliche Erholung eintrat und russische Händler den deutschen Konkurrenz machten. Oft wurden Kaufleute selbst zu Schuldnern der Bauern.


Für die Entwicklung eines deutsch-baltischen National Language Toolkits (NLTK) erhielt Marianne Saar aus Aruküla bei Tallinn den zweiten Preis. Die Plattform NLTK wurde entwickelt, um zum Beispiel digital Texte zu klassifizieren. So kann man herausfiltern, wie hoch der Anteil bestimmter Wörter ist oder wie viele Wörter deutsch und wie viele estnisch sind. Da bei der Programmierung der Suchmaschine aber Interpunktion, Synonyme, Satzzusammenhang zu beachten sind, gibt es noch viel Arbeit auf diesem Gebiet, wie Marianne Saar versicherte.


Den Preis für Graduierte gewann Ginta Perle-Sile aus Riga. Die Lettin hatte sich mit der „physiogeographischen Beschreibung von Palsmane/Palzmar und Aumeisteri/Serbigall im Kontext der kolonialen Literaturlandschaft“ beschäftigt. Literatur geschaffen hat Friedrich Daniel Wahr, der um 1771 als Pastor nach Palzmar kam. 1784 verfasste er eine topographische Beschreibung seines Kirchspiels. Er brachte sich aber auch in die lettische Gemeinschaft ein und sammelte rund 500 ihrer Lieder. Im Sinne der Aufklärung war er bemüht, den Bildungsstand der Letten zu heben, allerdings auch, um sie von ihren als „Aberglauben“ bezeichneten überlieferten Sagen und Traditionen abzubringen.

Den Preis verleihen die Deutsch-Baltische Gesellschaft und die Deutsch-Baltische Studienstiftung. Die Preisgelder wurden gestiftet von der ENTEGA-Stiftung und der Sparkasse Darmstadt.