Balten-Silber aus Darmstadt im neueröffneten Ostpreußen-Museum in Lüneburg


Wertvolles Silber aus dem Baltikum wird in der neuen Deutschbaltischen Abteilung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg präsentiert: Foto-Copyright: Landesmuseum

Mit einem „glänzenden Willkommen“ werden die Besucher der Deutschbaltischen Abteilung des neueröffneten Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg begrüßt. In einer Vitrine prangen mehrere wertvolle Schmiedearbeiten aus Silber. Sofort ins Auge fällt ein 60 cm hoher Pokal, dessen Mittelteil von einem Menschen getragen wird. Eine auch in Rock und Harnisch gekleidete Person auf dem Deckelknauf krönt das Werk. Die Widmungsinschrift verkündet: „Dieser Willkommen ist gestiftet von uns Gesellen d. 22. Dez. 1756“. Es handelt sich um den Willkommpokal der Schneidergesellen in Reval. Angefertigt wurde das Meisterstück von Abraham Christian Rotermann drei Monate zuvor in der heutigen estländischen Hauptstadt. Zur Rechten des Pokals steht eine Kanne aus Silber, deren Deckel die halbplastische Figur der Allegorie der Hoffnung mit der Inschrift „Spes Immortalis“ ziert. Auf vergoldeter Reserve sind die Initialen „BJVW“ und „ADC“ eingraviert. Sie stehen für Bernd Johann von Wehren und Anna Dorothea Cämmerer, die 1717 heirateten. Die umgebende Inschrift lautet: „Dem ehrbaren Amt der Schneider anno 1770“. Beide Silberobjekte waren bisher im Haus der Deutsch-Balten in Darmstadt ausgestellt und wurden dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Nach drei Jahren Renovierung ist das Ostpreußische Landesmuseum seit August wieder geöffnet, jetzt mit einer Deutschbaltischen Abteilung. Sie soll die Geschichte Kurlands, Livlands und Estlands stärker in den Fokus rücken. Kunstgegenstände, Gemälde, nachgebaute Wohnsituationen, Informationstafeln bringen dem Besucher die Geschichte des Baltikums und die Rolle der deutschstämmigen Bewohner zwischen „Aufsegelung“ und Umsiedlung näher. Das Museum präsentiert die Geschichte der Ostpreußen und der Deutschbalten auf insgesamt 2000 Quadratmetern in 17 Kapiteln. Bei der Wiedereröffnung feierten fast 900 Gäste, unter ihnen alle Botschafter aus dem Baltikum, also Lettlands, Litauens und Estlands, Kulturstaatsministerin Professor Monika Grütters von der Bundesregierung und Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler den so lange erarbeiteten Moment. 8,2 Millionen hat der Umbau gekostet und weitere Millionen sollen in die nächste Erweiterung fließen – zu einem weltweit einmaligen Haus über den Königsberger Philosophen Immanuel Kant.

Die deutschbaltische Abteilung, wie das ganze Museum, folgt einem Leitgedanken, den Direktor Dr. Joachim Mähnert formuliert: „Die älteren Besucher kommen wegen der Erinnerung, die jüngeren haben ganz andere Fragen an die Region. Den Blick zu öffnen, welche Impulse aus dem Baltikum für Europa ausgingen und ausgehen und wichtige Fragen der Gegenwart aufzugreifen, ist der neue Anspruch.“ (ma)

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